Die Ausgangssituation
Hybridheizung im Altbau – Ein Praxistest
Wir zeigen euch, wie moderne Heiztechnik im Bestandsgebäude aussehen kann. Praktischerweise hat jemand aus unseren eigenen Reihen eine solche Reise
Das Haus unserer Kollegin Lisa – Ein typischer Altbau mit Potenzial
Lisa und ihr Mann wohnen in einem klassischen Einfamilienhaus, das vor einigen Jahren schrittweise modernisiert wurde. 2014 wurde das Dach gedämmt. 2021 wurden ca. 90% der Fenster getauscht und eine moderne Dreifachvergalsung eingebaut. Zeitgleich wurde auch die Hauseingangstür getauscht. Die Kellerdecke und Außenwände blieben ungedämmt – eine Situation, wie sie viele Hausbesitzer kennen.
Bis 2021 heizte das Paar ausschließlich mit Öl über einen alten Heizwertkessel – etwa 38.000 kWh pro Jahr. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch für ein Gebäude dieser Art. Jedoch war die Heizung so alt und sanierungsbedürftig, dass etwas Neues hermusste. Auch die steigenden Energiepreise und der Wunsch nach einem System mit geringeren Treibhausgasemissionen brachten sie zum Nachdenken.
Die Entscheidung: Ein Hybridsystem?!
2021 installierten Lisa und ihr Mann eine Hybridanlage: Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe kombiniert mit einer Gastherme als Backup. Die Idee dahinter: Flexibilität bei schwankenden Energiepreisen und Versorgungssicherheit auch bei extremen Minusgraden. Zusätzlich kam eine PV-Anlage mit Batteriespeicher aufs Dach.
Das Besondere: Das Haus hat keine Fußbodenheizung – nur normale Heizkörper. Trotzdem sollte die Wärmepumpe den Großteil der Heizleistung übernehmen. Aber kann das wirklich funktionieren? Und wie sieht so eine Lösung in der Praxis aus? 🤔
Wie viele Hausbesitzer hatten Lisa und ihr Mann Bedenken: Schafft eine Wärmepumpe allein wirklich den kompletten Wärmebedarf in einem Altbau? Funktioniert das mit den Heizkörpern? Was passiert an den kältesten Wintertagen? Die Entscheidung fiel auf ein Hybridsystem mit Gastherme als Backup. Eine Entscheidung, die sie heute anders treffen würden – warum, erfahrt ihr in den nächsten Posts!
Fenstertausch
🪟 Hybridheizung im Altbau – Ein Praxistest
Wir zeigen euch in dieser vierteiligen Postreihe, wie moderne Heiztechnik im Bestandsgebäude aussehen kann. Praktischerweise hat jemand aus unseren eigenen Reihen eine solche Reise durchlebt. Von der Idee über die Umsetzung bis zum Fazit ein paar Jahre später.
Warum neue Fenster vor der Heizung?
Bevor Lisa und ihr Mann ihre neue Heizung installierten, stand eine wichtige Sanierungsmaßnahme an: der Austausch der alten Fenster und der Haustür. Warum? Selbst die beste Heizung bringt wenig, wenn die Wärme durchs Fenster verschwindet! Außerdem sollten alle geplanten Maßnahmen an der Hülle immer vor dem Einbau des Wärmepumpensystems umgesetzt werden. „Erst Sanieren, dann installieren!“ heißt hier das Sprichwort, denn die Wärmepumpe soll ja genau richtig auf den aktuellen Wärmebedarf des Hauses zugeschnitten sein.
Die neuen Fenster – Was hat sich geändert?
Lisa und ihr Mann entschieden sich für moderne Dreifachverglasungen mit einem U-Wert von 0,88 W/(m²K) sowie eine neue, gut gedämmte Haustür mit einem U-Wert von ca. 0,9 W/(m²K).
Die Investition:
- Kosten neue Fenster und Haustür: ca. 26.300€
- Anteilige Förderung: ca. 5.260€
- Eigenanteil: ca. 21.040€
Der Effekt – Mehr als nur Energieeinsparung
Die Verbesserung war sofort spürbar: Keine Zugluft mehr, deutlich angenehmeres Raumklima und – ganz wichtig –die Hausbewohner mussten die Heizung nicht mehr so hochdrehen, um sich wohlzufühlen.
Warum diese Maßnahme so wichtig war:
Ohne die neuen Fenster wäre der Wärmebedarf höher geblieben – und die Wärmepumpe hätte entsprechend größer dimensioniert werden müssen. Durch das Einhalten des Gebotes: „Erst Sanieren, dann installieren.“ konnte die Wärmepumpe optimal auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt werden. Das macht das Gesamtsystem effizienter und wirtschaftlicher!
Im nächsten Post zeigen wir euch die komplette Bilanz nach vier Jahren Betrieb – inklusive der überraschenden Erkenntnis, ob das Hybridsystem wirklich notwendig war. 📊
Die alten Fenster – Ein echter Schwachpunkt
Die alten Fenster hatten einen U-Wert von ca. 1,9 W/(m²K) und die alte Haustür 3,0 W/(m²K). Teilweise waren sogar noch Glasbausteine mit U-Wert von im schlimmsten Fall ca. 5,0 W/(m²K) verbaut – damit gingen erhebliche Mengen Wärme verloren. Aber das war nicht das einzige Problem: Die veralteten Dichtungen der Fenster sorgten teils für Zugluft, die den Wohnkomfort beeinträchtigte. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Wenn es zieht oder die Fenster dem Raum die Wärme entziehen, dreht man instinktiv die Heizung höher, um das unangenehme Gefühl zu kompensieren. Man heizt also nicht nur gegen die thermischen Verluste an, sondern auch gegen die Komforteinbußen durch Zugluft!
Die Umsetzung – So funktioniert's in der Praxis
🔧 Hybridheizung im Altbau – Ein Praxistest
Wir zeigen euch in dieser vierteiligen Postreihe, wie moderne Heiztechnik im Bestandsgebäude aussehen kann. Praktischerweise hat jemand aus unseren eigenen Reihen eine solche Reise durchlebt. Von der Idee über die Umsetzung bis zum Fazit ein paar Jahre später.
Von der Theorie zur Praxis – Die Installation bei Lisa
Nach gründlicher Planung ging’s ans Eingemachte: Die Wärmepumpe wurde auf den tatsächlichen Wärmebedarf des Hauses ausgelegt – nicht zu groß und nicht zu klein. Das ist entscheidend für die Effizienz des Systems!
Unsere Kollegin Lisa präsentiert uns stolz das Außengerät ihrer Wärmepumpe:
Die wichtigsten Schritte der Umsetzung:
Die vorhandenen Heizkörper wurden neu dimensioniert und teils durch größere Modelle ersetzt. Richtig gelesen, keine Fußbodenheizung. Mit gut dimensionierten Heizkörpern lassen sich Wärmepumpensysteme ebenfalls effizient und wirtschaftlich betreiben. Warum dann der Tausch der Heizkörper? Größere Heizkörper können mit niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeiten – perfekt für die Wärmepumpe! Die wird nämlich effizienter je niedriger die Temperatur wird, auf die sie das Heizwasser bringen muss. Ein hydraulischer Abgleich sorgte dafür, dass die Wärme optimal im Haus verteilt wird. Jeder Heizkörper bekommt genau die Warmwassermenge, die er benötigt. Natürlich wurden alle Heizungsrohre auch schön dick in Dämmung gepackt damit die Wärme nicht im Keller sondern in den Heizkörpern der Wohnräume landet. 😊
Die Gasheizung wurde als Backup-System eingebaut. Bei sehr kalten Außentemperaturen könnte sie theoretisch einspringen und die Wärmepumpe unterstützen. Auch ein smart-Betrieb ist möglich, wobei das System selbst anhand der Energiepreise entscheidet, welche gerade die günstigste Betriebsweise ist. Lisa und ihr Mann haben ihr System jedoch manuell auf einen Bivalenzpunkt von -10°C eingestellt. Die Gasheizung springt also bei dieser Außentemperatur ein und hilft der Wärmepumpe. Wie oft das passiert? Das erfahrt ihr im nächsten Post. 😉 Wir wollen euch erstmal noch zeigen wie das ganze System eigentlich aufgebaut ist.
Lisas Innengerät der Wärmepumpe (links) und ihre Gastherme (rechts):
Um euch ein besseres Bild zu zeichnen haben wir das ganze hier einmal schematisch dargestellt:
Das Fazit – Kosten, CO₂ und Zukunft
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Energie aus der Außenluft, auch bei Temperaturen unter 0°C. Mit einem COP (Coefficient of Performance) von 3-4 macht sie aus 1 kWh Strom ganze 3-4 kWh Wärme. Der COP im Durchschnitt über ein Jahr (auch Jahresarbeitszahl genannt) liegt bei Lisa bei 3,3. Die Gasheizung? Die wartet seit der Installation 2021 fast ununterbrochen auf ihren Einsatz… Die Gastherme hätte man also auch weglassen können.
O-Ton Lisas Ehemann: „Jetzt zahlen wir noch die Grundgebühr fürs Gas, obwohl wir es gar nicht mehr nutzen. Die Therme dürfen wir nicht zurückbauen, sonst müssten wir die Förderung zurückzahlen.“
Hybridheizung im Altbau – Ein Praxistest
Wir zeigen euch in dieser vierteiligen Postreihe, wie moderne Heiztechnik im Bestandsgebäude aussehen kann. Praktischerweise hat jemand aus unseren eigenen Reihen eine solche Reise durchlebt. Von der Idee über die Umsetzung bis zum Fazit ein paar Jahre später.
Die Bilanz nach drei Jahren – Was hat's gebracht?
Lasst uns über Geld reden, denn am Ende ist eine Sanierung natürlich auch immer eine Kostenfrage. Lisa kann mit ihrem neuen Heizungssystem nicht nur zukunftssicher und CO₂-arm heizen, sondern auch richtig Geld sparen.
Die Kosten im Detail:
- Investition: Brutto ca. 55.000€ für das komplette Hybridsystem
- Förderung: ca. 24.750€ (Auf Gesamtbetrag 45 %! 🎉)
- Eigenanteil: 30.250€
- Jährliche Heizkosten vorher (Öl-Heizwertkessel): ca. 4.050€
- Jährliche Heizkosten jetzt: ca. 1.450€
- Ersparnis pro Jahr: 2.600€
Der Verbrauch konkret:
Von März 2021 bis September 2025:
- Strom für Wärmepumpe: 18.780 kWh (94% der Gesamtleistung)
- Gas: 116 m³ = ca. 1160 kWh (6 % der Gesamtleistung)
- Gesamtenergieverbrauch im Jahr: 4.431 kWh/a statt vorher 38.000 kWh/a
Hier seht ihr nochmal am Beispiel von Lisas Haus welches Heizsystem bei den Betriebskosten wie abschneidet. Dabei könnt ihr sehen, dass das Hybridsystem, trotz der wesentlich höheren Investitionskosten keine nennenswerten finanziellen Vorteile im Betrieb gegenüber der Wärmepumpe liefert:
Die CO₂-Bilanz:
- Vorher mit Öl: ca. 10.906 kg CO₂ pro Jahr
- Jetzt mit Wärmepumpe (Netzstrom) und Gastherme und der Sanierung der Fenster etc.: ca. 1.632 kg CO₂ pro Jahr
- Einsparung: über 85%! 🌱
Jetzt mag einer sagen:
„Das ist ja gar nicht sauber gerechnet! Natürlich gehen meine Emissionen runter, wenn ich neue Fenster einbaue, denn mein Verbrauch sinkt ja dann schon allein durch den Fenstertausch! ☹ “
Richtig! Deshalb haben wir für euch nochmal berechnet, wie viel CO₂ man nur durch den Heizungstausch sparen würde und wie das im Vergleich zu anderen Heizsystemen aussehen würde. In der Abbildung unten seht ihr, dass Öl und Gas dabei natürlich deutlich schlechter abschneiden als das Hybridsystem von Lisa. Jedoch würde das System noch besser abschneiden, wenn man bei Lisa die Gastherme weglässt und stattdessen alles über die Wärmepumpe macht. Mit grünem Strom oder eigenem PV-Strom wäre ein solches Wärmepumpensystem sogar nahezu 100% CO₂-neutral. Das haben wir euch hier nochmal veranschaulicht:
Die Wahrheit über Hybridsysteme – War die Gastherme wirklich nötig?
Hier wird’s interessant: In vier Jahren Betrieb hat die Gastherme gerade mal 6 % zur Wärmeerzeugung beigetragen. Die Wärmepumpe allein hätte den kompletten Wärmebedarf problemlos decken können – selbst mit den normalen Heizkörpern! Also nein, das Hybridsystem war sicherlich nicht nötig.
Was hätte Lisa gespart, wenn sie sich direkt für eine reine Wärmepumpe entschieden hätte?
Rechnen wir mal durch:
Mehrkosten Hybridsystem vs. reine Wärmepumpe:
- Zusätzliche Gastherme: ca. 15.000€
- Zusätzliche Gasanschlusskosten: ca. 1.500 €
- Komplexere Regelungstechnik und Verrohrung: ca. 2.500 €
- Gesamte Mehrkosten: ca. 19.000€
Laufende Mehrkosten:
- Gasgrundgebühr pro Jahr: ca. 144 €
- Tatsächlicher jährlicher Gasverbrauch (ca. 23,2 m³): ca. 30,86€
- Jährliche Wartung Gastherme: ca. 150 € + Schonsteinfeger 100 €
- Jährliche Mehrkosten: ca. 425 €
Die Rechnung über 20 Jahre:
- Einmalige Mehrkosten: 19.000€
- Laufende Mehrkosten (20 Jahre): 8.500€
- Gesamte vermeidbare Kosten: 27.500€
- Hätte Lisa nur eine Wärmepumpe eingebaut könnte sie über 20 Jahre 27.500€ sparen!
Warum installieren dann so viele ein Hybridsystem?
Die Antwort ist einfach: Angst und Unsicherheit. Viele Hausbesitzer und leider auch manche Installateure haben Bedenken, dass eine Wärmepumpe allein nicht ausreicht – besonders in Altbauten mit Heizkörpern. Lisas Beispiel zeigt aber deutlich: Diese Angst ist in den meisten Fällen unbegründet! Mit guter Planung, richtig dimensionierten Heizkörpern und einem hydraulischen Abgleich funktioniert eine reine Wärmepumpe hervorragend.
Ausblick – Was bringt die Zukunft?
Die CO₂-Preise sollen weiter steigen – fossile Brennstoffe würden damit automatisch teurer. Wer jetzt auf Wärmepumpe setzt, macht sich damit bereit für die geplante Wärmewende und kann sich von dieser Entwicklung entkoppeln.
Lisa plant bereits den nächsten Schritt: Die PV-Anlage soll künftig noch stärker eingebunden werden, um die Wärmepumpe besonders im Frühjahr und Herbst mit eigenem Solarstrom zu betreiben. Das drückt die Betriebskosten weiter und macht noch unabhängiger vom Strompreis und CO₂-Preis.
Unser Fazit:
Hybridanlagen können eine sinnvolle Brückentechnologie sein – aber in der Praxis zeigt sich oft, dass eine gut geplante Wärmepumpe auch allein zurechtkommt. Die Gasheizung als teures Backup wird selten gebraucht.


